15. Exlibris der Schopenhauer´s

Schopenhauer betrachtete seine Bücher als seinen festen privaten Besitz. Er liebte es, Bemerkungen, Notizen, Beifall oderexlibris Tadel an den Rand zu schreiben und die freien Seiten in Büchern mit Zeichnungen zu schmücken. Die meisten seiner Bücher sind mit einem Exlibris ausgestattet. Aus der Tatsache, dass nicht alle Bücher ein Exlibris aufweisen, darf man schließen, dass Schopenhauer eine besondere positive Beziehung zu seinem Exlibris hatte. Die Ausstattung eines Buches mit seinem Exlibris war für ihn eine Auszeichnung des Buches. Und so kann man feststellen, dass alle wichtigen Bücher ein Exlibris haben und dass es nur in den un- wichtigen und gleichgültigen Büchern fehlt. Das Exlibris zeigt seinen Namen und sein Wappen in sehr sorgfältiger Zeichnung. Die Familie Schopenhauer war ein Wappen-führendes Patriziergeschlecht. Das Wappenschild ist durch einen goldenen Schrägbalken in zwei Hälften geteilt, in dessen Mitte je ein silberner Stern steht. Der Wappengrund ist blau Der Wappenspruch, den der Philosoph aber nicht mehr mit übernahm,
lautete: Point de bonheur sans libert´e

Richtigstellung: Mit Schreiben vom 15. Januar 2002 an die Schopenhauer Gesellschaft in Frankfurt/Main erging folgender Hinweis:

Im Kapitel – Exlibris – von A. Schopenhauer ist eine falsche Aussage zur Tingierung (Farbbeschreibung) seines Wappens. Der Grund ist nicht blau, sondern grün. Die Originalabbildung im Großen Wappen- buch Deutschland – Siebmann zeigt dieses deutlich. Wappen kann man farbig durch Schraffuren darstellen. Die im Wappen bzw. im Exlibris dargestellte Schraffur zeigt die Farbe Purpur an, diese Farbe ist eigentlich für private Wappen unmöglich. Es sei denn, dass hier ein Zeichenfehler vorliegt. Aber von wem? Die im Anhang abgebildeten Kopien aus deutschen Wappenbüchern, sowie das Schreiben von Dr. Bleisteiner, Präsident der Heraldischen Vereinigung ?Der Wappenlöwe”, bestätigen diesen Stilbruch.

Vorausgegangene Korrespondenz

Sehr geehrter Herr Schoppenhauer,

Sie werden sich vielleicht schon gewundert haben, dass wir Ihnen keine Nachricht mehr auf Ihren letzten Brief vom 11.3.90 zukommen ließen und bedaure sehr, dass ich Ihren Brief erst heute beantworten kann. Im Verein mussten wir jedoch unseren ganzen Arbeitseinsatz auf die Vorbereitung der Publikation unseres Jahrbuchs 1989 verwenden. Bitte haben sie Verständnis, dass wir dieser wichtigsten unserer Vereinstätigkeiten den Vorrang gegeben haben. Zunächst habe ich zu danken für die Mitteilung der aufschlussreichen Details bzgl. Ihrer Familie und der verzweigten Verwandtschaft zu den danzigern Schopenhauer. Dazu im Einzelnen:Natürlich schreibt die Literatur das diskutierte Wappen dem A. Schopenhauer zu, ist es doch auch von ihm nachweislich gebraucht worden.
2.Es irritiert Sie, dass zwei verschiedene Abbildungen zwei verschiedene Arten von Sternen zeigen: 5-zackig bzw. 6-zackig. Den Laien mag dies verwirren, nicht den Heraldiker – Stern bleibt Stern, es bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks, wie viele Zacken er haben soll.
3.Dass Johanna Schopenhauer ihren Sohn vor der Verwendung einer?Devisen- Petschaft” warnt, besagt heraldisch wenig. Unter einer solchen Petschaft ist keine Wappensiegelung zu verstehen, sondern eben eine ?Devise”, z.B. wären Hammer und Sichel eine Devise, aber kein Wappen. Schopenhauer könnte sich ev. irgendwelcher Symbolik in einer Petschaft bedient haben, die ggf. schnüffelnden Staatsbeamten zu aufrührerisch vom Gedanken her waren. Während der Hitlerzeit wäre sicherlich ein Abdruck mit dem Davidstern oder einem freimaurerisches Emblem auf der Außenseite eines Briefes auch nicht gut angekommen. Interessant an diesem Hinweis ist allerdings, dass Schopenhauers zu dieser Zeit womöglich noch gar kein Wappen geführt hat, spricht doch seine Mutter ausdrücklich von einer?Devise” und nicht von einem Wappen. Im Übrigen war zu dieser Zeit die Siegelung mit einem Wappen sicher nichts Anrüchiges mehr, war doch das Ideengut der Französischen Revolution vom neuerstarkten Feudalsystem wieder eingeholt worden. Die Führung eines Wappens nach außen wäre so mit ein Zeichen für die Akzeptanz der restaurativen Kräfte gewesen. Ein Wappensiegel ist also mit dieser Bemerkung von Frau Schopenhauer bestimmt nicht gemeint gewesen und somit kein Beweis für die Existenz eines solchen im Jahre 1806.
Wenn1823 von einem Testamentsvollstrecker von einem ?Wappen” die Rede ist, besagt dies nichts über die evtl. Annahme oder Entstehung.
5. Der Hinweis in einem Buch ?… siegelte … mit einem Wappen, dessen Herkunft seine Biographen nie ermittelt haben” beweist lediglich die leidige Tatsache, dass Biographen eben keine Heraldiker sind.
6. Zum dem von Ihnen zitierten Buch im Insel-Verlag, Hrsg. von Angelika Hübscher:
a) Der Stammbaum auf Seite 12/13 enthält das Wappen nicht als Vollwappen, sondern es ist das Wappen-Exlibris Schopenhauers (lediglich ohne Namenszug), im gleichen Buch auf S. 269 abgebildet, eingeklebt worden in den Schild einer ebenso wie der ganze Stammbaum vorgedruckter Wappen- Schablone, denn der Helm trägt keine Helmzier und ist oben an der Stelle, wo diese eingezeichnet werden sollte, nicht fertig gestellt.

Die ganze ?Wappenausführung” ist übrigens eine ausgesprochen dilettantische Arbeit: kein auch nur annähernd heraldisch Beleckter würde einen ornamentierten Rocailleschild in einen weiteren Schild mit Helm und Helmdecken gotischer Prägung setzen – welch ein Stilbruch!
b) Nicht eindeutig zu beantworten ist die Tingierung des Wappens, wenn man sich am Exlibris orientieren wollte. Tatsächlich handelt es sich um eine sehr stark ornamentierte Ausführung, bei de anscheinend die Schmuckform mehr im Vordergrundstand, als die heraldische. Trotzdem ist die Schraffur für eindeutig schräg-links gerichtet, heraldisch also wie von Ihnen richtig erwähnt – Purpur. Ob es sich hier um ein ? durchaus mögliches-?Verzeichnen” handelt, oder ob hier ganz bewusst die Farbe Purpur gemeint ist, vermag ich nicht zu entscheiden. Rein vom?heraldischen Gefühl” her, das ich auch A. Schopenhauer unterstellen möchte, würde auch ich eher zu “Grün” tendieren. Wie Sie sehen, lieber Herr Schoppenhauer, muss man bei alldem weder nachdenklich gestimmt, oder gar verbissen werden. Bei einigermaßen kühler Überlegung und ein wenig Detail- und Spezialwissen lässt sich manches Sonderbare oder Scheinbare einigermaßen aufklären.
Ich würde mich freuen, wenn Sie, nachdem die deutsch-deutschen Zeichen gut stehen, auf Ihr Angebot zurück kommen, unserer Heraldischen Vereinigung beizutreten und Ihr Wappen eintragen zulassen.Gerne beantworten wir Ihnen dazu noch Fragen zum Entwurf und Gestaltung für ein – richtiges – Vollwappen. Bis dahin

mit freundlichen Grüßen
Claus D. Bleisteiner