20. Elbing – unsere Wiege

chronik-bilder-893Elbing ? die Geburtsstadt der Schoppenhauers Elbing war immer eine Kaufmannsstadt, ein Marktort mit einem großen Hinterland. Es entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer Industriestadt, deren Bürger davon lebten, daß die produzierte Ware nicht nur an die Elbinger verkauft, sondern auch im In- und Ausland abgesetzt wurde. Elbing war eine Stadt, in der seit Jahrhunderten Handel und Wandel die Geschicke der Menschen bestimmten. Eine Stadt mit Schifffahrt und gewaltigen Produktionsstätten hat immer ihren Blick nach Außen zu richten, weil sie sonst nicht bestehen konnte. Von der Struktur her war Elbing, der erste Seehafen des Ordensstaates Preußen, von Beginn zu einer europäischen Stadt bestimmt, deren ständige Einwohner zu allen Zeiten und ohne Einschränkungen Deutsche waren. Von 1251 bis 1309 wird Elbing Zentrum des Landes und etwa 150 Jahre neben dem Orden die führende Handelsmacht in Altpreußen. Später wurde Elbing von der großen Rivalin Danzig, aber auch von Königsberg überrundet.

Die Stadt wurde aus dem Nichts gegründet. Bei Baubeginn 1237 lebten dort keine Menschen. Das Preußenland war schwach besiedelt, und vielleicht hatte das viele Wasser des Draussensees, des Elbingflusses, der Nogat und des Frischen Haffes, sowie das noch nicht eingedeichte Land im Bereich der Weichsel- und Nogatmündung jede Besiedelung verhindert. Es gibt keine Anzeichen einer bodenständigen Bevölkerung im Gebiet der Stadt Elbing und ihres Umlandes. Die Stadt wurde von Menschen gebaut, die von weit her in dieses Gebiet kamen, dessen erste Verbindung mit Westeuropa die Entdeckung Trusos durch Wulfstan war. Mit den Stadtgründern, den Lübecker Siedlern, kamen in zweiter Generation viele westfälische Siedler nach Elbing. Landesherr der Stadt war der Deutsche Orden, der sich aus den Söhnen namhafter europäischer Familien, nicht nur deutscher, zusammensetzte.Damals gab es das Römische Reich und des Deutschen Ordens. Hochmeister Herrmann von Salza war gleichzeitig der engste politische Berater des vorwiegend in Sizilien residierenden Kaisers.Herrmanns Funktion kann mit der eines Außenministers verglichen werden.
Die Vergangenheit Elbings ist eine außerordentlich wechselvolle, von Höhen und Tiefen begleitete Geschichte. Fremde Landesherren und Fürsten besuchten die Stadt, bekämpften und belagerten und besetzten sie. Meistens ging es dabei nicht um Elbing, sondern um europäische Politik, um Thronfolgekämpfe und die Vertretung fremder Interessen auf preußischem Boden. Der berühmte Gustav II, Adolf von Schweden errichtete in Elbing sein Hauptquartier und befestigte die Stadt auf Neue. Aber nicht nur Schwedenherrscher kamen nach Elbing, auch die Könige von Polen, die Brandenburger Kurfürsten und späteren Könige in und von Preußen, der russische Zar sowie der Kurfürst von Sachsen. Sie waren Gäste der Stadt, manchmal Bedrücker, ein andermal wiederum Oberherr oder Schutzherr und nicht nur französische und russische Truppen kamen als Plünderer und Ausbeuter. Man mag Zweifel äußern dürfen, ob solche meist nicht erbetenen Begegnungen mit fremden Herrschern und ihren Soldaten aus einer Stadt eine europäische Stadt machen. Aber es waren andere, fremde Einflüsse, nicht selten von europäischer Dimension, die ihre Spuren zurückließen und die künftige Entwicklung mitbestimmten. Dennoch sind es die eigenen handelspolitischen Interessen gewesen, die Elbing zu einer europäischen Stadt werden ließen. Die Elbinger Schiffe waren in ziemlich allen Häfen Europas zu Hause, kreuzten im Atlantik und machten den Elbinger Kaufmann bekannt. Sie schufen weitreichende Verbindungen. Der Elbinger Kaufmann wurde zum Politiker, manche von gutem Ruf und hohem Rang. Das geistige Leben in Elbing war stets rege. Die Bürger wußten sich guter und auch auswärtiger Lehrer zu bedienen. Erster Rektor an Elbings hoher Schule, dem Athenäum Elbingense, wurde der 1493 im Haag in Holland geborene Wilhelm Gnapheus, ein sehr vielseitiger Mann. Viel berühmter aber war Johann Amos Comenius, der von 1642 – 1648 in Elbing lebte und lehrte.elbing-wappen
Als 1579 in Elbing eine englische Niederlassung , die Eastland Compagny, Stapelrecht erhielt, bekam die Hansestadt Ärger mit den anderen Mitgliedern des Städtbundes, der zum Ausscheiden Elbings aus dieser Vereinigung führte, der der Stadt aber erhebliche wirtschaftliche Vorteile brachte. Aus Holland kamen zahlreiche Mennoiten in die Gegend zwischen Danzig und Elbing, aber auch in die Stadt Elbing, wurden dort ansässig und geachtete Bürger. Im Einwanderungsverzeichnis sind u.a. auch der Namen Schoppenhauer (Schoppenhouwer) zu lesen. Es gab mehrere Träger des Namens Güldenkron, alle aus Delft in den Niederlanden. Ihnen ist nicht nur die Trockenlegung und Fruchtbarmachung der Werdergebiete zu verdanken. Aus Frankreich kamen Hugenotten und aus Polen sogar Protestanten, für die der Magistrat an der Heilige-Geist-Kirche extra einen polnischen Prediger anstellte. Die Polen schienen sehr schnell deutsch gelernt zu haben, denn der polnische Gottesdienst wurde bald überflüssig. Als die Elbinger 1790 ihre alte Börse in einem neuen Haus dicht neben der hohen Brücke wiedereröffneten, schmückten sie die Wände mit historischen Bildern und Tafeln. Da gab es die Tafel mit den Flaggen aller seefahrenden Nationen und Potenzen, wie es damals hieß, denn auf diesen Tafeln befand sich neben der Danziger Flagge auch die der Stadtrepublik Elbing. Unter dieser rot-weißen Flagge mit den beiden Kreuzen aus dem Stadtwappen segelten Elbinger Schiffe bis nach Amerika. Daneben hingen sie drei wichtige Karten in den Börsensaal, eine zeigte das elbingsche Fahrwasser, eine andere die heimische Weichsel-Nogat-Mündung und die dritte war eine große Generalkarte von Europa. Mit England hat Elbing viele Beziehungen gehabt, unter anderem sehen die drei Wappen mit den
Kreuzen auf der vorherigen Seite einander ähnlich. Viele Engländer haben in Elbing Geschäfte eröffnet und viele Straßennamen erinnern an bekannte Engländer. Elbing war also eine preußische, deutsche und zugleich europäische Stadt. Seit der Kriegszerstörung ist sie es nicht mehr. Als 1949 die verwaltende polnische Regierung in Warschau, Elbing als Hafenstadt von der Liste der vielen ihr zur Verfügung stehenden Häfen strich, sicher wohl auch weil die Sowjets den Zugang zur Ostsee bei Pillau sperrten, verlor die Stadt nach der vorangegangenen Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/1947 endgültig den Rang, in Europa bedeutend zu sein. Der seefahrtsgeschichtliche Teil, der europäische Teil der Elbinger Geschichte waren damit Vergangenheit.