Andreas Schopenhauer (1720-1794)

8.Generation Nr. 128
Andreas Schopenhauer
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Was wissen wir über Andreas Schopenhauer?
Andreas Schopenhauer
wurde am 11.Juni 1720 in Danzig geboren, gestorben 20.Januar 1794
Danziger Bürger und Großkaufmann, war Bankier, Haus- und Grundstücksbesitzer
Abschließend zu der Schopenhauer Familie muss noch bemerkt werden, dass der Mannesstamm, der den Namen Schopenhauer trägt, nicht das geringste vor jeder anderen Vorfahrenreihe voraus hat. Es herrscht noch immer die kindliche Tendenz, bei familiengeschichtlichen Forschungen dem Träger des Namens, dem Probanden, den Vorzug vor allen anderen Ahnenreihen zu geben, auf den vorliegenden Fall angewandt: eine Art Jagd auf Träger des Namens Schop(p)enhauer zu machen. Der Mannesstamm Schopenhauer ist durch den von Richard Schopenhauer mitgeteilten Stammbaum weit über das durch Kirchenbücher Erforschbare bekannt. Man weiß, dass die Schopenhauers eine kernige, kraftvolle Bauernfamilie waren. Das genügt völlig, um sich über ihre Geistesart ein Bild zu machen
Von Andreas Schopenhauer hat der Familienforscher Haßbargen uns ein anschauliches Bild entworfen. ( Heimatblätter des deutschen Heimatbundes Danzig, Jahrgang 5 1928, S.9ff) Wir können daraus folgendes entnehmen: Über seine Jugendjahre sind allerdings keine Nachrichten erhalten. Seine kaufmännische Ausbildung schloss er mit einer einjährigen Reise ab. Im Jahre 1741 wurde er mündig. Da ihm auch das Vermögen seines verstorbenen Bruders, Johann Leo zufiel, gelangte er gleich in den Besitz größerer Geldmittel. Er machte alle Kapitalien flüssig und bestellte 1746 einen gerichtlichen Bevollmächtigten für die Abwicklung dieser Geldgeschäfte, da er mit anderen Unternehmungen bereits vollauf beschäftigt war, das er sich mit untergeordneten Arbeiten nicht mehr abgeben konnte. Im Jahre 1745 im Alter von 25 Jahren heiratete er Anna Renata Soermans, die Tochter eines angesehenen Bürgers aus Danzig, der ehemals aus Holland eingewandert war. Mit seinem Schwiegervater gründete er die Firma ?Soermans und Schopenhauer?, in der er ein reiches Betätigungsfeld fand. Es sind ein Reihe von Urkunden vorhanden, aus denen sein reger Unternehmungsgeist spricht. Er hatte weitverzweigte Handelsbeziehungen. Im Jahre 1750 übernahm er die Firma allein. Andreas war nicht nur Großkaufmann, der Übersee Handel betrieb, sondern auch Bankier. Die finanzielle Lage in Danzig war damals schlecht. Krieg und Belagerung hatten starke Verschuldung zur Folge. Eine allgemeine Münzverschlechterung trat ein. Kaufleute und Bankier versuchten durch Handelsbeziehungen Geld zu beschaffen. Es wurde eine neue Silbermünze geprägt, wobei Andreas Schopenhauer tatkräftige finanzielle Hilfe angedeihen ließ, er wurde im übertragenden Sinne als der als der Fugger des 18.Jehrhunderts von Danzig bezeichnet. Auch als Fabrikherr, als Besitzer einer Kraftmehlfabrik in Ohra und einer Aschbude in Neuschottland, hat er am Danziger Wirtschaftsleben regen Anteil genommen. Aus dieser Tätigkeit hat sich eine authentische Äußerung von Andreas Schopenhauer erhalten.
(Originalkopie aus Schopenhauers Ahnen und Seitenverwandte von Walther Rauschenberger)
Merk
Andreas Schopenhauer war also wohltätig. In seinem Garten und zwei ihm gehörenden Alleen zwischen Danzig und seinem Gut zu Ohra ließ er jedermann spazieren gehen. Diese Allee hieß später die ?Schopenhauer-Allee?. Er hatte in Ohra nicht allein seinen Landsitz, fast die halbe Dorfgemarkung gehörte zeitweilig ihm. Er förderte auch die Künstler. Er hatte sein Landhaus und seine Stadtwohnung reich mit Gemälden ausgestattet. Bekannt ist: Die Gemälde waren sehr zahlreich und sowohl in den Vorsälen und an den Wänden der Treppen als in den Zimmern verteilt. Viele hingen auch etwas im Finsteren, dass man sie nicht wohl erkennen konnte. Die Namen der Künstler sind schwer anzugeben, weil sie dem Andreas Schopenhauer selbst nicht bekannt waren. Er richtete sich beim Ankauf bloß nach einem gewissen Gefühl. Hieraus sehen wir, dass Andreas einen angeborenen Kunstsinn hatte.
Für die Kirche in Ohra hat er Fenster mit Glasmalereien gestiftet. Von 1746 bis 1780 gehörte er dem Vorstand des Kinderwaisenhauses an. Zweimal hat er je ein Jahr die Verwaltungsgeschäfte selbst geführt. Diese und andere Zeugnisse bestätigen die in der Familie Schopenhauer erhaltene Tradition, dass Andreas Schopenhauer ein gütiger Mann gewesen sei. Wie schön bemerkt, war Andreas glänzend befähigt, rastlos tätig, ein energischer, fester Charakter, auf kaufmännischem Gebiet von ungewöhnlicher Unternehmungskraft und Spekulationsgabe, bisweilen zum Eigensinn, ja zum Starrsinn geneigt, dabei gütig und wohltätig.. Er hat das große Vermögen der Familie erworben. Biologisch und auch wirtschaftlich betrachtet erreicht die Familie in ihm den Höhepunkt.
Das Geburtenregister

Geburtenregister

Geburtenregister


Eintrag aus der Familienchronik:
Nach dem Taufbuch der Marienkirche in Danzig ließen sie folgende 11 Kinder taufen:
Die übrigen 4 Kinder ließen sich weder im Taufbuch von St. Marien noch im Taufbuch von Ohra ermitteln. Sie wurden vielleicht tot geboren. Totgeburten wurden nicht in die Taufbücher eingetragen oder sind sehr jung gestorben. Die vier Söhne Heinrich Floris, Johann Friedrich, Michael Andreas und Karl Gottfried sind bekannt. Johann Heinrich und Karl Gotthilf starben wahrscheinlich jung, was man schon daraus schließen kann, dass ihre Namen bei den später geborenen Brüdern wiederkehren (Heinrich bei Heinrich Floris, Karl Gotthilf bei Karl Gottfried). Andreas Schopenhauer starb plötzlich in Ohra im Alter von 73 Jahren und wurde am 20. Januar 1794 in Ohra im Erbbegräbnis der Familie Schopenhauer beigesetzt. Die Töchter des Andreas Schopenhauer müssen fast alle jung gestorben sein. Nur die älteste Tochter, Maria Renata, blieb leben. Sie heiratete am 4. Februar 1779 den Kaufmann Christian Gottfried Tietz in Danzig.
Was wissen wir über seine Frau?
Andreas Schopenhauer heiratete im Jahre 1745 mit 25 Jahren die Jungfrau Anna Renata Soermans. Aus der Ehe gingen insgesamt 15 Kinder und 4 Großkinder hervor, wovon ihr 12 Kinder und 1 Großsohn in die Ewigkeit vorausgegangen sind, 1 Tochter und 2 Söhne aber ihrem Grab nachweinen. Sie überlebte ihren Mann um mehr als 10 Jahre. Im Original (Stadtbibliothek Danzig Ms.1052 ,51) Bemerkenswert ist die ?Abkündigung? in der Ohraer Kirche : Nach dem Rath Schlusse Gottes verließ am 9.April dieses Jahres (1804) Frau Anna Renata Schopenhauer geb. Soermans diese Leiden volle Welt, nachdem sie zu vor 1726 den 28.Oktober von angesehenen und würdigen Eltern geboren ward und welches waren der Hochwürdige Herr Hendrik Soermans ehemaliger accreditierter Resident der Hochmögenden Herren General Staaten der vereinigten Niederlande bey dieser Stadt, und Frau Anna Marie Rammelmann, welche ihr in allen Tugenden und Wissenschaften erziehen ließen, um dereinst eine würdige Gattin und geschickte Mutter zu werden, und zu dieser Erfüllung kam sie auch im Jahr 1745, Monat Juny, da sie sich mit dem angesehenen Kauffmann Herr Andreas Schopenhauer verheurathtet, in welcher Ehe sie bis 20.Dezember 1793 45 ½ Jahr glücklich durchlebte, und zugleich die Freude genoss eine Mutter zu werden von 15 Kindern und 4 Großkindern, wovon ihr 12 Kinder und 1 Groß Sohn in die Ewigkeit vorausgegangen sind, 1 Tochter und 2 Söhne aber ihrem Grab nachweinen. In ihrem Wittwen Stande lebte sie 10 Jahre und 4 Monate, in welchem sie das abwechselnde glück des Menschen auch erfahren musste, in dem sie die letzten der Jahre wegen Lähmung eines Fußes das Zimmer nicht verlassen konnte. Sanft und ruhig war ihr Ende, und die hinterblieben Kinder wünschen, dass die Gemein ihr Andenken in Seegen erhalten wollen, um ihre im Leben gehabte Fehler und Gebrechen mit Liebe zu decken,

Kopie aus: Altpreußische Geschlechterkunde
Altpreußische Geschlechterkunde

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